Russland? Russland!

Nee, damals war diese Ideologie ins Leere gelaufen. Dieses ständig anwesende, übergroße kindische Ideologie-Getue, dieses menschenfressende, unbarmherzige, heuchlerische, psychopathische Gemeinschaftsdenken, dass den Menschen einfach nicht in Ruhe lassen konnte. Das sich unweigerlich von der Lebenszeit der Menschen ernähren musste und das nichts anderes war, als eine riesige „Pause“-Taste in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit.

Diese „Pause“-Tasten-Analogie ist aber nicht nur für das Modells des realen Sozialismus anwendbar, sie gilt auch für viele andere: Religionen, Gesellschaftsnormen, usw. Also eigentlich jeglichem Konservatismus, dem „Bewahrer des Etablierten“. Ich schweife ab.

Damals also hatten sich die Anhänger der Ideologie zumindest offensichtlich verkrümelt und es wurde Platz geschaffen für frische Luft, neue Ansätze, für Hoffnungen auf eine bessere Zukunft.

„Blühende Landschaften“ wurden angemeldet und – nachdem sich die Etablierten der verbliebenen Ideologie des Westens ausnehmlich an den neuen Verhältnissen gütlich getan hatten, kamen die dann auch. Zumindest mag sich der eine oder andere noch an die verrotteten Städte des Ostens erinnern und deren aktuellerer Zustand. Auch ein anderes Thema, ich schweife wieder ab.

Heute also…

Heute also zieht sich ein starkes Gewitter zusammen. Die soziopathischen Diebe und Scharlatane dieser Welt bereiten ein globales Schlachtfeld vor, versuchen für sich – und nur für sich – dabei noch das maximal Mögliche herauszuholen, ignorieren dabei offensichtlich die wissenschaftliche Faktenlage und vergessen das wichtigste:

der Mensch ist ein soziales Wesen.

Auch wenn das dem Soziopathen sein Leben lang egal war, es wird am Ende dazu führen, dass der „Idiot“, der „Aussenstehende“ als solches aus der Gruppe unweigerlich entfernt wird. Er wird nicht der Zuschauende bleiben, der amüsiert Unterhaltene, der sich Gladiatorenkämpfe im Kolosseum anschaut und sich für einen Cäsaren hält.

Ich schweife erneut ab.

Heute also sehe ich ein Russland, vormals auch eine große Kultur der Literatur und Musik und Ethik, dass es über die Zeit seit 1990 nicht geschafft hat irgend etwas auf die Pfanne zu bekommen, ausser seine Ressourcen auszugraben und an den Meistbietenden zu verhökern. Dabei ein ganzes Volk mit billigem Wodka blöd gemacht und vor allen Dingen stumm und müde. Dass nicht in der Lage war und ist, sich seiner fortschrittlichen Ressourcen gewahr zu werden (naja, es hat im Gegenteil dafür gesorgt, dass alles was zum eigenen Denken in der Lage war seit Jahrzehnten dieses Land verlassen hat), dass es an der Welt so teilnimmt, dass alle Welt blühen kann und alle daran gedeihen. Und dann in erster Reihe es selbst.

Nein. Dazu war es niemals in der Lage. Im Gegensatz zu China: ähnliche ideologische Herkunft, gesellschaftlich eindeutig volksorientierter zum Wohle der eigenen Bevölkerung. Ja, brutal, gleichmachend, auslöschend. Anderes Thema, es geht hier heute um Russland. Ich schweife wieder ab.


Russland also. Ein Land, das sich seit 1991 in einem ewigen Kreislauf aus Rohstoffen, Wodka und autoritären Rettern dreht. Jelzin torkelte, Putin festigte – und was blieb? Ein Imperium aus Gasleitungen und Propaganda-Sendern, das seine besten Köpfe verliert wie ein Sieb den Sand. Die Eliten saugen die Schatzkammern leer, während die Masse in Datschas und Fernsehserien versinkt. Und jetzt? Der Ukraine-Krieg als Höhepunkt dieser Spirale: Ein desperater Versuch, die „neue Sowjetunion“ aus Staub und Drohnen zu zaubern, ignoriert die Realität, dass die Welt nicht mehr 1989 steht. Die Sanktionen beißen, die Jugend flieht, und die „Spezialoperation“ frisst Generationen.

Ich schweife ab? Nein, das ist der Kern. Diese „Pause“-Taste wird erneut gedrückt – nicht nur in Russland, sondern von allen, die meinen, mit Kanonenbootdiplomatie und Desinformation die Zeit anhalten zu können. Putin, der selbsternannte Zar, verkörpert das perfekt: Ein Mann, der die Gläserne Decke der Sowjetnostalgie nie durchbrach, stattdessen Ressourcen verheizt, um ein Reich zu kleben, das damals auseinanderfiel. Und die Welt schaut zu, wie Soziopathen in Moskau, Washington oder anderswo ihre Gladiatorenspiele inszenieren, vergessen, dass der Mensch sozial tickt. Der Außenseiter fliegt raus, immer.

Ausblick? Finster, aber nicht hoffnungslos. Russland könnte platzen wie ein überhitzter Reaktor: Interne Risse – von Prigozhin bis Nawalny – zehren am Zentrum. Wenn die Ressourcen trocknen und die Jugend nicht mehr mitmacht, bricht die Fassade. Stell dir vor: Ein postsowjetisches Frühling, wo Sibirien und Moskau endlich atmen, Techies zurückkehren, und die Literatur wieder lebt, ohne Zensur. Blühende Landschaften 2.0, diesmal echt. Aber der Weg dahin? Blutig? chaotisch, wie 1989/90 – nur dass diesmal die Drohnen summen und die Atomuhren ticken?

Und ich? Damals im MAN-10-Tonner hab ich Ossis angegrinst und gehofft. Ich habe mich gefreut: auf eine gute Zukunft für uns alle. Ich fühlte mich nun wiedervereinigt. Ich war glücklich.

Heute warte ich wieder. Schaue auf diese große – unübersehbare Pause-Taste und hoffe, dass endlich etwas passiert, damit es wirklich weitergeht. In eine lebenswerte Zukunft. Doch jeder Tag der vergeht, ist ein Tag weniger, der uns in unserem Leben zur Verfügung gestanden hat. Jeder Tag, an dem die Pause-Taste gedrückt bleibt, ist ein verschwendeter Tag. Die Diebe stehlen nicht nur Geld. Sie stehlen unser aller Lebenszeit.


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