2026-01-17-weltgeschehen-Ein_inneres_Murren_begleitet_mich__wenn_ich_die_Sc

Ein inneres Murren begleitet mich, wenn ich die Schlagzeilen des Tages überfliege. Es ist, als sprächen zwei Stimmen in meinem Kopf – eine nüchterne, ungeduldige, die andere nachdenklich und mahnend. Ein ständiges Ringen um die Deutung der Welt.

Thema 1: Meinungsfreiheit und staatliche Kontrolle

Der Konservative:
Man muss sich doch fragen, wie es um die Meinungsfreiheit im Westen steht, wenn selbst hier staatliche Akteure versuchen, die Presse zu lenken. Da fabuliert eine staatliche Medienanstalt Berlin-Brandenburg von „Verbotsfantasien“ ohne Rechtsgrundlage – ein direkter Angriff auf die Pressefreiheit! Und als ob das nicht reichte, werden in Australien Millionen von Social-Media-Konten deaktiviert, ein autoritärer Albtraum, den man uns als "Schutzmaßnahme" verkaufen will. Gleichzeitig wird eine Schule in Deutschland nicht mal dazu angehalten, das Praktikumsverbot bei einem AfD-Politiker zu überdenken. Und eine steuerfinanzierte Bildungsstätte Anne Frank vergleicht eine US-Behörde mit der Gestapo. Diese Vergleiche sind nicht nur geschichtsvergessen, sondern entlarven eine Doppelmoral, die jegliche Verhältnismäßigkeit verloren hat.

Die Progressive:
Diese Vergleiche sind in der Tat problematisch und schaden der Debatte, aber Ihre Sorge um "Meinungsfreiheit" wirkt manchmal selektiv. Es geht auch um Schutz – den Schutz von Minderjährigen vor den Abgründen des Internets, wie die Debatte um ein Mindestalter für Social Media zeigt. Und während Sie über westliche Befindlichkeiten klagen, dürfen wir nicht vergessen, dass in Russland Propaganda in Schulen zur „schweren Kost“ wird und russische Anti-Kriegs-Aktivisten in Europa lernen müssen, ihre Worte zu wählen, um nicht selbst zur Zielscheibe zu werden. Das ist eine ganz andere Dimension von Kontrolle, die Sie scheinbar gerne übersehen.

Thema 2: Menschenrechte und staatliche Gewalt

Die Progressive:
Es ist zynisch, über "Verbotsfantasien" zu sprechen, wenn weltweit reale Menschenrechtsverbrechen geschehen. Die Proteste im Iran wurden niedergeschlagen und eine Menschenrechtsgruppe meldet über 3000 Tote bei den Protesten – das ist staatliche Brutalität, die man nicht relativieren darf. Auch die afghanische Kultur leidet, wo ein Zufluchtsort für afghanische Musik zu verstummen droht unter den Taliban. Und bei uns kämpfen wir immer noch mit den Nachwehen von Hass und Gewalt: Der Hanau-Überlebende stirbt an Spätfolgen und queere Menschen erleben queerfeindliche Gewalt in Deutschland in ihren eigenen Kiezen. Diese Missstände erfordern Empathie und Systemkritik, nicht nur das Lamentieren über Befindlichkeiten.

Der Konservative:
Ja, die Gräuel im Iran sind unbestreitbar und tragisch. Aber auch hier zeigt sich die selektive Empörung. Während man im Westen die Mullahs verurteilt, nennt ein ehemaliger ZDF-Korrespondent Israel einen „Völkermordstaat“ – eine absurde Gleichsetzung, die dem Mullah-Regime in die Hände spielt. Man schaut gerne auf die Ferne, während man die Probleme vor der eigenen Haustür mit einer Art moralischem Relativismus behandelt. Und sind wir ehrlich: Wer spricht über die systematische quälerische Tierhaltung im eigenen Land mit derselben Inbrunst wie über ferne Konflikte? Die Heuchelei ist offenkundig.

Thema 3: US-Außenpolitik und globale Ordnung

Der Konservative:
Das globale Geplänkel geht weiter, und es ist erfrischend zu sehen, wie [US-Präsident Donald Trump die alte Welt auf den Kopf stellt](https://www.diepresse.com/20482658/us-praesident-donald-trump-stellt-die alte-welt-auf-den-kopf). Seine Politik mag unkonventionell sein, aber sie ist ehrlich: Nationale Interessen zuerst. Ob er nun Venezuelas Öl über die Demokratie stellt oder einen Zollschock initiiert – er agiert pragmatisch. Es ist eine längst fällige Abkehr von idealistischer Selbsttäuschung, die am Ende niemandem dient. Europa muss endlich lernen, sich selbst zu behaupten, anstatt nur nach Amerika zu schielen.

Die Progressive:
"Pragmatisch" ist oft ein Euphemismus für kurzsichtig und gefährlich. Trump mag "die alte Welt auf den Kopf stellen", aber er untergräbt damit auch internationale Abkommen und die ohnehin fragile globale Stabilität. Wenn die USA Piloten vor Militäraktivitäten über Mexiko und Südamerika warnen, zeugt das von einer neuen, potenziell aggressiven Präsenz, die niemanden beruhigen sollte. Und die Berufung eines Tony Blair in ein Gaza-Gremium unterstreicht nur die problematische Kontinuität bestimmter außenpolitischer Fehltritte. Stattdessen sollten wir über innovative Lösungen sprechen, wie die 2-Dollar-Mietbatterien, die Südafrika mit Strom versorgen – echte, bodenständige Hilfe, die Menschen direkt nützt.

Reflexion:
Dieses innere Zwiegespräch ist erschöpfend. Es zeigt, wie tief die Gräben in der Wahrnehmung der Welt sind, wie leicht die gleichen Fakten zu völlig entgegengesetzten Schlussfolgerungen führen können. Es ist ein Ringen zwischen Haltung und Empathie, zwischen nationaler Selbstbehauptung und globaler Verantwortung. Und dazwischen steht die ständige Gefahr, die Nuancen zu verlieren.

Ausgewählte Themen:
Meinungsfreiheit
Menschenrechte
US-Außenpolitik

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